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Jimi Tenor der finnischer Funk-Exzentriker
www.jimitenor.com/
29.08.2006
Jimi Tenor Hier ein ganz besonderes Special, auch ganz speziell für unseren LoveDJAdam den alten Jimi Fan...

Jimi Tenor, finnischer Funk-Exzentriker, musikalisches Chamäleon und Andi Warhol lookalike, aus dem enormen Katalog der Deutschen Grammophon bedient. Es ist den Kuratoren der "ReComposed"-Reihe hoch anzurechnen, einem so eigenwilligen Künstler die Neubearbeitung bahnbrechender Werke der neuen Klassik anzuvertrauen. Das zeugt von Offenheit, Mut und Neugier. Jimi Tenor ist jemand, der über eine unverwechselbare musikalische Handschrift verfügt, sich aber stilistisch nie festgelegt hat. Er kommt vom Industrial, ist im Funk ebenso zuhause wie im Dub, hat auf Kitty Yo schwergewichtigen Bigband-Soul veröffentlicht und mit Warp Records Furore gemacht. Es hat eine Reihe hochkarätiger Veröffentlichungen gebraucht, bis auch die Journaille aufgehört hat, Jimi Tenor auf schrille Ironie zu reduzieren. Denn ironisch war er noch nie. Im Gegenteil - Tenor ist niemand, der das Klischee fürchtet oder sich darüber lustig macht. Bestimmte Allgemeinplätze, von denen es im Jazz und in sämtlichen Pop-Stilen ja wimmelt, scheint Tenor besonders herauszukehren. Durch die Betonung schlägt der Allgemeinplatz in sein Gegenteil um; er fordert gleichsam sein Recht ein, gebräuchliches musikalisches Element zu sein wie jedes andere auch. Tenors Arbeit wirkt also demokratisierend. Er ist sich der historischen Fracht jedes einzelnen Tons und Geräusches bewusst, hat aber gelernt, sie zu ignorieren.

Jimi Tenor Der unberechenbare Künstler und nimmermüde Sucher Jimi Tenor hat zur Neubearbeitung Werke von solchen Komponisten gewählt, die ihrerseits nach neuen Formen und Funktionen gesucht hatten. Da wäre zum Beispiel der Aussenseiter Edgar Varèse mit seinem Postulat des assoziationsfreien Hörens. Déserts, ein Skandalstück, das bei seiner Uraufführung, bei der Pierre Henri für die Tonband-Einspielungen zuständig war, einen Tumult auslöste, arbeitet mit Alltagsgeräuschen und verweist auf musique concrète. In Tenors Neuinterpretation wird daraus ein hochassoziatives, beklemmendes Hörspiel. Was für eine Geschichte wird hier erzählt? Die eines Attentats?

Oder man nehme Varèses Ionisation, das erste abendländische Stück für Schlagzeug, das nicht auf folkloristische Traditionen zurückgreift. Unter Tenors Händen beginnt dieses Werk zu grooven, verliert aber nichts von seinem experimentellen Charakter. Saties Vexations verbrämt Jimi Tenor mit Minimal Techno Elementen; Rimsky-Korsakovs zweite Symphonie groovt erst verhalten, um dann ins abstrakt-groteske zu kippen; Steve Reichs Music for Mallet Instruments, Voices and Organ mutiert zum federnden, opulenten Dub. So ist es durchweg. Tenor umtastet, umspielt die Vorlage und collagiert behutsam. Oder er arbeitet mit harten Brüchen, um schließlich das Original in seinem Sinne neu zu deuten und damit auf ein anderes, neues Level zu heben. Immer jedoch komponiert und arrangiert Tenor absolut genau und mit dem ihm eigenen Perfektionismus.

Jmi Tenor Mit Recomposed schafft Jimi Tenor nicht allein aufregende Neubearbeitungen von Meilensteinen der Neuen Musik. Quasi nebenbei verweist er auch noch popmusikalische Klischees auf ihre Plätze. Synthie-Sounds, die schon seit gut zehn Jahren als cheesy gelten - Tenor benutzt sie. Drumsounds, die wir seit den späten Achtzigern kennen - kein Problem. So selbstverständlich, so lustvoll wühlt Jimi Tenor in den Untiefen von Funk, Elektro, Easy Listening, Lounge Jazz und Dub, dass es eine Freude ist. Und schließlich macht alles Sinn - die pitch-bending-Soli auf prähistorischen Supermarkt-Keyboards ebenso wie dramatische Chöre, Bongowirbel, fernöstliche Saiteninstrumente und field recordings.

Es bereitet enormes Vergnügen, diesem hochmusikalischen Tausendsassa dabei zuzuhören, wie er etwa Répons von Pierre Boulez in einen abstrakten Edgar Wallace Krimisoundtrack verwandelt. Dabei mangelt es Tenor in keiner Sekunde an Respekt solch komplexen elektroakustischen Werken gegenüber. Er nimmt die Musik ausgesprochen ernst, indem er sich nicht mit Loops und Beats begnügt. Sein Verdienst ist es, den Titel "ReComposed" wörtlich genommen zu haben. Er arbeitet nicht einfach mit dem Material, das er zur Verfügung hat, sondern im Material selbst. Er greift hinein in die Kompositionen, um sie umzudeuten oder zu verstärken, statt einfach additiv oder dekonstruktivistisch vorzugehen. Dies tut er mit einer Unbefangenheit, die für einen Musiker mit seinem Hintergrund und seiner Erfahrung beneidenswert ist.

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